Eine sauber geführte Anamnese ist im Studio mehr als Pflicht — sie ist Ihr rechtlicher Anker und gleichzeitig Ihr Wettbewerbsvorteil. Wer im Erstgespräch die richtigen Fragen stellt, behandelt sicherer, beratet besser und vermeidet böse Überraschungen Wochen später.
Pflichtfelder — ohne geht's nicht
Diese Punkte gehören in jeden Anamnese-Bogen, egal welche Behandlung Sie anbieten:
- Personalien mit Geburtsdatum (für Volljährigkeits-Prüfung und Altersbezogene Risiken)
- Hauttyp nach Fitzpatrick I–VI (Stichwort Pigmentverschiebung bei Laser/IPL)
- Medikamente — vor allem Blutverdünner, Isotretinoin, Kortison, Hormone
- Vorerkrankungen mit Auswirkung: Diabetes, Autoimmun, Epilepsie, Herzschrittmacher
- Schwangerschaft / Stillzeit — viele Behandlungen sind dann kontraindiziert
- Allergien auf Kosmetik, Latex, Nickel, Parfum, Wimpernkleber
- Frühere Behandlungen der letzten 6 Monate (Filler, Botox, Microneedling, chemische Peelings)
- Foto-Einwilligung separat — DSGVO trennt Behandlungs- und Werbe-Zwecke
Was Sie weglassen können
Felder, die jeder Online-Generator anbietet, aber niemand braucht: „Lieblingsfarbe", „Wie sind Sie auf uns aufmerksam geworden" (lieber separat im Marketing-Tool), „Beruf" (ausser es ist medizinisch relevant). Jedes überflüssige Feld senkt die Ausfüll-Quote.
Der Trick mit den Conditional Fields
Statt 80 Pflichtfelder zeigen Sie nur die, die für die Kundin relevant sind:
- Hakt sie „Diabetes" an → erscheint Folgefrage „Typ 1 oder 2?"
- Hakt sie „Schwangerschaft" an → „In welcher Woche?"
- Hakt sie „Blutverdünner" an → „Welches Medikament?"
So bleiben 90 % der Bögen kurz und der Rest erfasst die wirklich kritischen Details.
Vor der Behandlung: Signatur
Eine Anamnese ohne Unterschrift ist rechtlich wertlos. Bei jeder risiko-pflichtigen Behandlung (Microneedling, Laser, IPL, Peeling, PMU, Filler) muss die Kundin vor jeder einzelnen Sitzung bestätigen, dass die Anamnese aktuell ist. Mit digitaler Unterschrift, Datum und Sitzungs-ID gemeinsam dokumentiert.
So sieht eine reibungslose digitale Anamnese von Anfang bis Ende aus:
- Link vorab senden: 24 h vor dem Termin per WhatsApp oder Mail — die Kundin füllt in Ruhe zuhause aus.
- Nur Relevantes fragen: Conditional Fields blenden nur die Folgefragen ein, die wirklich zutreffen.
- Digital signieren: Die Kundin bestätigt am Handy — verknüpft mit Datum und Sitzungs-ID.
- Sicher ablegen: Automatisch verschlüsselt gespeichert und 10 Jahre auffindbar.
Tipp aus der Praxis: Schicken Sie den Anamnese-Link 24 h vor dem Termin per WhatsApp. Die Kundin füllt zuhause in Ruhe aus, Sie sparen 15-20 Min pro Erstbehandlung, und die Daten sind beim Termin schon im System.
Aufbewahrung
Schweizer Obligationenrecht verlangt 10 Jahre Aufbewahrung medizinischer Dokumentation. Anamnesen gehören dazu. Heisst: Sauber digital ablegen, regelmässig sichern, bei DSGVO-Anfragen auf Knopfdruck zugänglich. Genau das übernimmt eine Studio-Software mit digitalem Anamnese-Modul.