Preise kalkulieren ist eine der Aufgaben, bei der sich viele Studio-Inhaberinnen und -Inhaber unwohl fühlen. Zu niedrig ansetzen aus Angst, Kundinnen zu verlieren. Oder einfach schauen, was die Nachbarin verlangt, und das übernehmen. Beides ist riskant — und beides hat nichts mit einer echten Kalkulation zu tun.
Dieser Ratgeber zeigt dir, wie du tragfähige Preise für dein Studio berechnest — egal ob du Kosmetikerin, Masseurin, Coiffeuse, Podologin oder Therapeutin bist.
Warum Bauchgefühl beim Preis nach hinten losgeht
Dein Gefühl sagt dir vielleicht: «Mehr als CHF 80 zahlt bei mir niemand.» Aber woher weisst du das wirklich? Oft sind es eigene Glaubenssätze über Geld, nicht die Realität deiner Zielgruppe.
Ein zu niedriger Preis hat konkrete Folgen:
- Du arbeitest viel — und verdienst trotzdem zu wenig.
- Du kannst nicht in Material, Weiterbildung oder bessere Ausstattung investieren.
- Dein Studio wirkt (unbewusst) weniger wertvoll auf potenzielle Neukunden.
Ein fairer Preis schützt nicht nur dich — er schützt auch dein Studio langfristig.
Schritt 1: Deine echten Kosten kennen
Bevor du irgendeinen Preis festlegst, brauchst du eine ehrliche Auflistung aller Kosten. Diese teilt man in zwei Gruppen:
Fixkosten
Das sind Ausgaben, die jeden Monat anfallen — unabhängig davon, wie viele Termine du hattest:
- Miete und Nebenkosten
- Versicherungen
- Software und Abonnements
- Buchhaltung, Treuhänder
- Dein eigener Lohn (ja, der gehört dazu!)
- Leasingkosten für Geräte
Variable Kosten
Diese entstehen pro Behandlung oder Leistung:
- Verbrauchsmaterial (Pflege, Farbe, Einwegprodukte usw.)
- Wäsche und Reinigung
- Provision für Mitarbeitende
Addiere beide. Das Ergebnis ist deine monatliche Kostenbasis — der Betrag, den dein Studio mindestens einnehmen muss, damit überhaupt etwas übrig bleibt.
- CHF 3 000–8 000 — typische monatliche Fixkosten Solo-Studio (Richtwert) —
- 60–70 % — Auslastung, ab der viele Studios kostendeckend arbeiten (Richtwert) —
- 15–25 % — Materialkosten am Leistungspreis (branchentypischer Richtwert) —
Schritt 2: Deine verfügbare Zeit realistisch einschätzen
Ein häufiger Fehler: Man rechnet mit 8 produktiven Stunden pro Tag, 5 Tage die Woche. In der Praxis sieht es anders aus.
Zieh von deiner Gesamtarbeitszeit ab:
- Pausen zwischen Terminen
- Administration, Buchhaltung, Social Media
- Reinigung und Vorbereitung
- Krankheit, Ferien, Weiterbildung
- Leerstunden (kein Termin ist 100 % Auslastung)
Realistisch sind oft 60–70 % der Gesamtzeit wirklich «verkaufbar». Wer das nicht einrechnet, kalkuliert sich systematisch zu niedrig.
Praxis-Tipp: Führe eine Woche lang ein einfaches Zeitprotokoll. Du wirst überrascht sein, wie viel Zeit in Aufgaben fliesst, die du nicht direkt verrechnen kannst — und wie wichtig das für die Kalkulation ist.
Schritt 3: Den Mindeststundenansatz berechnen
Jetzt wird es konkret. Teile deine monatliche Kostenbasis durch die Stunden, die du pro Monat produktiv arbeitest:
Mindeststundenansatz = Gesamtkosten pro Monat ÷ verkaufbare Stunden pro Monat
Beispiel (zur Illustration, keine allgemeingültige Zahl):
- Monatliche Kosten (inkl. Lohn): CHF 6 000
- Verkaufbare Stunden pro Monat: 80
- Ergibt: CHF 75 pro Stunde — nur um die Kosten zu decken.
Dazu kommt noch eine Gewinnmarge, damit du auch investieren, sparen und wachsen kannst. Ohne Gewinn kein Puffer, keine Entwicklung.
Schritt 4: Einzelpreise ableiten
Aus dem Stundenansatz leitest du den Preis für jede einzelne Leistung ab:
- Wie lange dauert die Behandlung inkl. Vor- und Nachbereitung?
- Wie viel Material brauchst du dafür?
- Welchen Stundenansatz hast du errechnet?
Formel: Preis = (Zeitaufwand in Stunden × Stundenansatz) + Materialkosten
Achtung: Viele rechnen die Nachbereitungszeit nicht ein — das Aufräumen, Desinfizieren, Protokoll schreiben. Das sind reale Minuten, die bezahlt sein wollen.
- Kosten zusammenstellen: Alle Fix- und variablen Kosten inkl. deines Lohns auflisten.
- Verfügbare Zeit ermitteln: Realistische Stundenanzahl pro Monat (nicht die theoretische Maximum-Zeit).
- Mindeststundenansatz berechnen: Gesamtkosten ÷ verkaufbare Stunden = dein Minimum pro Stunde.
- Einzelpreise ableiten: Zeit × Stundenansatz + Material = Untergrenze pro Leistung.
- Preisliste prüfen und anpassen: Marktvergleich, Positionierung und Gewinnziel einbeziehen.
Was tun, wenn der errechnete Preis «zu hoch» wirkt?
Wenn du das Ergebnis siehst und denkst: «Das zahlt bei mir niemand» — dann lohnt es sich, genau hinzuschauen.
Entweder stimmt die Kostenbasis nicht (vielleicht kannst du einige Kosten senken), oder du hast ein Positionierungsthema: Wie präsentierst du dein Studio? Welchen Mehrwert kommunizierst du?
Ein zu niedriger Preis ist keine Lösung — er ist ein aufgeschobenes Problem.
Es gibt Studios, die dieselbe Leistung für CHF 60 und andere für CHF 120 anbieten. Der Unterschied liegt selten nur im Können — er liegt in der Positionierung, der Kundenkommunikation und dem Erlebnis.
Preise regelmässig überprüfen
Ein einmal berechneter Preis ist kein Stein in der Wand. Überprüfe deine Kalkulation:
- Mindestens einmal pro Jahr
- Nach jeder grösseren Kostensteigerung (Miete, Material, Energie)
- Nach Weiterbildungen oder neuen Leistungen
Viele Studios scheuen Preiserhöhungen aus Angst vor Reaktionen. In der Praxis reagieren treue Stammkundinnen oft gelassener als erwartet — wenn du die Erhöhung transparent und freundlich kommunizierst.
Wer seine Zahlen kennt, kann auch in der Software für den Studioalltag gezielt schauen, welche Leistungen wirklich rentieren — und welche vielleicht überarbeitet werden sollten.
Wenn dich das Thema Zahlen und Überblick interessiert: Wie du gleichzeitig Zeit sparst und den Blick auf dein Business behältst, zeigen wir auch in unserem Artikel Software von einer Kosmetikerin für Kosmetikerinnen entwickelt — mit einem Blick darauf, was eine Branchenlösung leisten kann.
Häufige Fragen
Wie berechne ich meinen Stundenansatz als Studio-Inhaberin?
Addiere alle monatlichen Kosten (inkl. deines eigenen Lohns) und teile sie durch die Stunden, die du im Monat wirklich für Behandlungen aufwenden kannst. Das Ergebnis ist dein Mindest-Stundenansatz — dazu kommt eine Gewinnmarge.
Darf ich einfach schauen, was andere Studios verlangen?
Ein Marktvergleich ist sinnvoll als Orientierung, aber kein Ersatz für deine eigene Kalkulation. Was andere verlangen, sagt nichts darüber aus, ob du damit deine Kosten deckst.
Wie oft sollte ich meine Preise anpassen?
Mindestens einmal pro Jahr — und immer dann, wenn sich deine Kosten wesentlich verändern (z.B. Mieterhöhung, teureres Material, neue Mitarbeitende).
Was mache ich, wenn Kundinnen den Preis zu hoch finden?
Erkläre den Mehrwert deiner Leistung klar und selbstbewusst. Nicht jede Kundin ist deine Zielkundin — und das ist in Ordnung. Ein zu niedriger Preis, der dein Studio gefährdet, hilft niemandem.
Gehört mein eigener Lohn in die Kalkulation?
Ja, unbedingt. Wer den eigenen Lohn nicht einkalkuliert, arbeitet faktisch gratis oder subventioniert das Studio aus privaten Mitteln. Der eigene Lohn ist ein legitimer Kostenpunkt.